voriger TagTAGnächster Tag

Zufallsfotos

Tag 7.01 Zum Finestra di Cignana
Tag 7.01 Zum Finestra di Cignana
Tag 7.02 Matterhorn voraus
Tag 7.02 Matterhorn voraus

Route

  • Rifugio Barmasse
    2.169 m
  • Finestra di Cignana
    2.441 m
  • Breuil
    2.006 m
  • Rifugio Teódulo
    3.317 m
voriger TagTAGnächster Tag

Mondlandschaft

KARTE ETAPPENFOTOS
Rifugio Barmasse - Rifugio Teódulo
22 km • + 1.749 hm • - 601 hm

Es ist noch kalt heute morgen und der Lago di Cignana (2.156 m) liegt noch im Schatten. Unsere Auffahrt auf dem Schotterweg zum Finestra di Cignana (2.441 m) wird von einer großen Kuhherde begleitet. An einer Alm erreichen wir endlich die Sonne. Dafür endet hier der bequeme Schotterweg und wir müssen die 150 Höhenmeter hinauf zum Pass schiebend auf der nassen Almwiese zurück legen.
Oben angekommen sehen wir bereits das erste Stück der Abfahrt vor uns. Ein wunderbar flowiger Trail führt am Hang entlang. Schnell sind die Protektoren angelegt und ab geht´s. Dann die erste Kehre nach Links, ein Blick nach vorne und mir verschlägt es fast dem Atem. Plötzlich steht der wohl markanteste Berg der Erde direkt vor mir. Wow!

Und dann dieser Trail! Flowig, ein Kicker, Sprung, Kurve und das vor dieser Kulisse…einzigartig!
Der Charakter des Trails wechselnt nun ständig. Schnelle Abschnitte können mit Speed gefahren werden. Immer wieder werden wir von etwas ruppigeren Passagen abgebremst, spielen gekonnt mit Felsen, Spitzkehren und hohe Stufen. Dann erreichen wir die Baumgrenze. Einige kniffelige Wurzelpassagen ergänzen nun das Repertoire dieses anspruchsvollen und abwechslungsreichen Trails.
Obwohl wir jetzt im Wald sind sehen wir weiterhin immer wieder das Matterhorn voraus. Einige Spitzkehren laden zum Versetzen des Hinterrades ein. Letztendlich landen wir bei 1.800 m auf der Straße, welche durch das Val Tournenche bis Breuil (2.006 m) führt. Auf dieser müssen wir noch 200 hm hinauf kurbeln. Oben abgekommen versorgen wir uns erst einmal in einem Supermarkt mit reichlich Vorräten und brechen bald wieder auf zum langen Anstieg in Richtung Theodulpass (3.317 m). Uns erwarten jetzt noch 1.300 Höhenmeter auf den derzeit höchsten Mountainbike-tauglichen Pass der Alpen.

Leider führt uns dieser Weg keineswegs durch eine unberührte Berglandschaft! Statt dessen müssen wir mit einer von Skipisten durchfurchten und mit grauenhaft schäbiger Architektur verseuchten Mondlandschaft nach oben arbeiten. Das Wort Architektur ist eigentlich unpassend, man sollte eher von barackenartiger Slum-Bauweise sprechen. Wir rasten kurz am Rande der Skipiste an einem Bach und machen uns bald wieder auf unseren beschwerlichen Weg. Die Ski-und Schotterpisten sind oftmals extrem steil, so dass das Fahren nicht immer möglich ist. Nach einiger Zeit haben wir die letzte Liftstation hinter uns gelassen und erblicken bereits die Hütte neben dem Pass.
In diesem Jahr sind die Schneereste fast komplett verschwunden, so dass wir nur einige winzige Schneefelder durchqueren müssen. Dave schlägt irgendwann das Bike tragend den direkten Wanderweg nach oben ein. Quer durch das Geröll und über Felsbrocken steigt er hinauf. Wir bleiben auf dem Pistenweg und benötigen daher ca. 20 min länger als er.
Schließlich erreichen wir gegen 16.00 Uhr die Hütte. Eigentlich hätten wir nun noch Zeit bis nach Zermatt (1.606 m) abzufahren. Wir hoffen jedoch auf Nachtfrost und auf einen somit problemlos befahrbaren Gletscher morgen früh. Heute, an diesem warmen Nachmittag erwartet uns dagegen auf dem Eis nur eine sumpfige Masse aus angeschmolzenem Firn.

Gemütlich sitzen wir in der Hütte am großen Panoramfenster und die Blicke schweifen über die einzigartige Bergwelt. Das Skigebiet ist aus der Ferne nicht mehr ganz so schlimm und abstoßend. Mit einem Fernglas können wir sogar den Trail vom Finestra di Cignana entdecken und nochmals diese wunderbare Abfahrt Revue passieren lassen.
Nach dem reichhaltigen Abendessen gibt es nochmals großes Kino. Seit dem Nachmittag ist das Matterhorn in Wolken gehüllt. Langsam nähert sich die Sonne am Horizont den westlichen Berggipfeln. In dem Moment als sie hinter diesen verschwindet werden die Wolken schlagartig von unten beleuchtet. Eine beeindruckendes Schauspiel!


Fazit:

  • Lockere Etappe vor beeindruckender Kulisse.
  • Geniale Abfahrt vom Finestra di Cignana.
  • Leider hat die Landschaft unter der Skipisten-Bauwut sehr gelitten.
Letzte Änderung 09.12.2007 | Hits: 3.225 | nach oben