voriger TagTAGnächster Tag

Zufallsfotos

Tag 4.11 Valsavarenche
Tag 4.11 Valsavarenche
Tag 4.01 Val di Rhemes
Tag 4.01 Val di Rhemes
Tag 4.06  Zum Colle d\'Entrelor
Tag 4.06 Zum Colle d\'Entrelor

Route

  • St. Pierre
    667 m
  • Val di Rhêmes
  • Bruil
    1.723 m
  • Colle d’Entrelor
    3.007 m
  • Degioz
    1.540 m
  • Eau-Roussex
    1.666 m
voriger TagTAGnächster Tag

Wandern zum Colle d'Entrelor

KARTE ETAPPENFOTOS
St. Pierre - Eau-Roussex
26 km • + 1.403 hm • - 1.467 hm

Der heutige Tag beginnt schon mal wesentlich besser wie gestern. Wir haben in richtigen Betten in einem ruhigen Zimmer geschlafen, unsere Bikeklamotten sind frisch gewaschen und inzwischen trocken. Das Frühstücksbuffet lässt keine Wünsche offen.
Mit Hilfe der netten Hotelbesitzerin bekommen wir noch die Abfahrtszeit des Busses ins Val di Rhêmes nach Rhême-Notre-Dame (1.725 m) heraus. Jetzt wird es kurz hektisch, der Bus fährt in 10 Minuten und wir müssen noch den richtigen Abzweig ins Tal anfahren und eine Haltestelle finden. Die Straßen sind noch feucht vom nächtlichen Regen, letzte Wolkenfetzen und Nebelschwaden ziehen gerade die Hänge hinauf. Unser Schnellstart gelingt, kaum an der Haltestelle eingetroffen fährt auch schon der Bus vor. Wir müssen noch schnell die Vorderräder aus den Bikes ausbauen, um diese unten im Laderaum des Busses verstauen zu können. Und schon geht’s den Berg hinauf. Beim Blick auf die zahlreichen Serpentinen in dem engen Tal sind wir ganz froh diese bequeme Alternative für die 1.000-Höhenmeter-Auffahrt gewählt zu haben.

Eigentlich wollten wir heute 2 neue Pässe ausprobieren, den Col de la Finestra (2.840 m) und den Col dEntrelor (3.007 m). Um dies aber überhaupt schaffen zu können, hätten wir gestern Abend noch ins Val Grisenche fahren müssen um dort frühmorgens starten zu können. Angesichts unseres zu tief liegenden Startpunktes und der etwas unsicheren Wetterlage beschließen wir kurzerhand uns auf den zweiten Übergang zu beschränken. Dies sollte sich später als durchaus richtige Entscheidung herausstellen.

In Notre Dame angekommen verziehen sich gerade die letzten Wolken und wir starten bei strahlendem Sonnenschein. Der Wanderweg Alta Via Aosta führt gleich am Ortsende steil durch einen Lärchenwald. Es ist noch schattig und alles ist feucht vom Regen der letzten Nacht. Unsere Hoffnung auf einen fahrbaren Weg oder gar einem bequemen Forstweg wird leider nicht erfüllt.
Wir schieben, und vor uns liegen noch 1.200 Höhenmeter. Nach einer halben Stunde erreichen wir eine Alm und erblicken ein vierrädriges Fahrzeug… wie das wohl hier heraufgekommen ist? Keinen Ahnung, aber eines ist sicher, nicht auf dem Wanderweg, auf dem wir soeben die Bikes mühsam hinauf getragen haben. Wir stellen später fest, dass wir den Scan unserer Wanderkarte hier etwas knapp abgeschnitten haben und so den vermutlich vorhandenen Wirtschaftsweg übersehen hatten!

Ab der Alm wird das Gelände flacher, wir lassen die Baumgrenze hinter uns und können sogar einige Meter fahren. Inzwischen haben wir auch wieder Sonnenschein, denn bisher hat der vor uns liegende Berg seinen Schatten auf uns geworfen. Unser Blick schweift zurück nach Westen, zum Col de la Finestra.
Eine Gruppe Wanderer ist gerade dorthin unterwegs. Der Trail schaut gut aus, zumindest unten. Oben wirkt das Gelände jedoch mächtig steil und exponiert. Noch sind die Berge schneebedeckt von den Niederschlägen der letzten Nacht. Auch wir rechnen bereits damit ab ca. 2.800 m auf Neuschnee zu treffen. Noch weiter im Westen braut sich wieder Ungemach zusammen. Der Himmel ist schwarz und es sieht nach neuen Schneefällen aus.Egal, das soll uns vorerst nicht stören, wir sind in der Sonne. Der Weg führt weiter steil nach oben, an Fahren ist auf dem Trail schon seit langem nicht mehr zu denken, da tauchen einige hundert Meter vor uns braune Wesen auf.
Steinböcke? Klar der Gran Paradiso Nationalpark ist bekannt für seine großen Steinbockherden. Wir kommen näher an die Tiere heran, sie scheinen keine wirkliche Scheu zu zeigen. Ich lasse das Bike liegen, hole den Fotoapparat aus dem Rucksack und pirsche mich näher an die kleine Herde heran. Etwa 15 Geißen mit ihren Kitzen lassen mich bis auf 5 Meter an sich herankommen, erst dann klettern sie ohne große Hektik einen steilen Felsen hinauf und schauen mir von oben zu, wie ich mühsam zu meinem Bike zurück trotte.
Roland filmt die ganze Szene. Wir brechen wieder auf und fraxn weiter, die Bikes auf den Schultern geht es mühsam den steilen Berg hinauf. Was müssen wohl die agilen und flinken Steinböcke über unser beschwerliches Treiben hier denken ...?

War der Col de la Finestra eben noch von der Sonne beschienen, ist er inzwischen bereits in dunkle Wocken gehüllt. Schneesturm! Einige Flocken verirren sich sogar zu uns hinüber. Wir drängen zur Eile, zumal die letzten 300 Höhenmeter zum Pass hinauf durch eine extrem steile Geröllpassage führt.
Von unten ist kein Weg zu erkennen. Ich spüre die Höhe, 2.850 Meter sind geschafft, ich halte nochmals kurz an, mache ein paar Fotos. Der kurze Stopp hat wieder Sauerstoff in meine Adern fließen lassen, weiter nach oben, zunächst locker, dann mit jedem Schritt wieder schwerer. Schließlich bin ich wieder kräftig am Schnaufen. Das Unwetter kommt!
Zum Glück haben wir die Schneegrenze der gestrigen Niederschläge zu tief eingeschätzt, wir erreichen trocken Fußes die Passhöhe. Es weht ein kräftiger Wind, vorne Sonnenschein und von hinten treiben Schneeflocken heran. Unsere Rast oben ist daher von kurzer Dauer. Jacke an, Protektoren an, Sattel runter, Gabel raus und nix wie weg hier. Ein paar Wanderer kommen uns entgegen, sie schauen angesichts ihrer Marschrichtung nicht gerade glücklich aus.

Wir lassen es rollen, und es rollt! Ein wahrhafter Holy Trail erwartet uns. Schnell sind die ersten technisch anspruchsvollen Höhenmeter im Geröll absolviert. Wir stoppen kurz und blicken zurück: Der Schneesturm blickt oben, er überschreitet den Pass nicht. Wir haben gewonnen!
Vor uns liegt eine Abfahrt bei Sonnenschein, auf einem Trail der uns mit flüssigen Passagen, engen Kehren und hohem Tempo ins Tal kacheln läßt. Dazu dieses atemberaubende Panorama, des langen, schneebedeckte Gran Paradiso Rückens (Gipfel, 4.061 m).
Dann passiert es, Dave verschätzt sich an einer senkrecht stehenden Steinplatte und hat einen Durchschlag am Hinterrad. Ich nutze die Gelegenheit auch bei mir etwas mehr Luft in die Reifen zu pumpen und fahre zu Roland. Er ist bereits ein Stück voraus gefahren, um uns zu filmen.
Nach diesem kurzen Stopp geht es weiter, der Trail geht nun leicht fallend am Hang entlang, hier kann schnell gefahren werden. Wir erreichen eine kleine Anhöhe, grüner bröseliger Fels setzt hier einen bunten Farbklecks in die Landschaft. Dann geht es weiter, in diese Rinne, diese wahnsinnige Rinne hinab zur Malga Soprana (2.325 m). Wie in einer Halfpipe geht es hinab, man kann springen, die Wände hochfahren, Kurven durchdrücken. Und unten hält man und bekommt das fette Grinsen kaum noch aus dem Gesicht, Wow!

Danach jedoch machen wir einen Fehler: Wir entscheiden uns dummerweise für den Fall Weg 16…auf der Karte als Mountainbike-Route markiert. Dort wo dieser abzweigt wird er schon bald zur Forstpiste und der Spaß ist vorbei. Geht es zunächst noch durch einen reizvollen Lärchenwald langweilt uns dieser völlig anspruchslose Weg mit jeder Kurve mehr und mehr. Man hätte es ahnen können, ausgeschilderte Moutainbikerouten sind all zu oft nur herbe Enttäuschungen. Wir wären besser auf Weg 15 abgefahren, zumal dieser auch den Vorteil bietet, direkt bei der einzigen Unterkunft von unserem Etappenziel Eau-Roussex (1.666 m) zu enden. Wir erreichen den Talgrund stattdessen weiter unten in Degioz (1.540 m) und müssen auf der Straße noch ein Stück hochkurbeln.

Es ist jetzt noch nicht einmal 16.00 Uhr. Dennoch sind wir gezwungen bei bestem Wetter und voller Tatendrang die Etappe bereits jetzt zu beenden, da es auf dem Weg zum Col Lauson (3.295 m) keine Unterkunft gibt. Erst nach dem Pass, nach 1.600 Höhenmetern Aufstieg und 700 hm Abfahrt bietet das Rifugio Vittorio Sella (2.584 m) eine erste Übernachtungsmöglichkeit. Wir checken daher im "A’l'Hostellerie du Paradis" ein, bekommen die letzten vier freien Betten und lassen den Tag mit einem Bierchen im Liegestuhl gemütlich ausklingen.

Letzte Änderung 09.12.2007 | Hits: 3.501 | nach oben